(c) Rheinische Post vom 27.11.2000
Beim Abbruch einer Brandruine in Flootsmühle in Hinsbeck entdeckte das THW am Wochenende meterdicke Beton-Fundamente
und Bunker-ähnliche Anlagen. Nun muss entschieden werden, ob sie beseitigt werden.
Technisches Hilfswerk stieß bei Abbrucharbeiten zwischen Nette und Renne an Flootsmühle auf Fundamente
Unter Brandruine wartet ein Geheimnis
NETTETAL. Meterdicken Stahlbeton und viele kleine Kriechbunker entdeckten freiwillige Helfer des Technischen Hilfswerks
(THW) am Samstag (25.11.2000) auf dem Grundstück an der Flootsmühle in Hinsbeck. Sie wollten bei einer Übung
die Ruine eines vor Jahren bereits abgebrannten Hauses zwischen Nette und Renne abtragen. Dabei stießen Sie auf ein
enormes Fundament, dessen Herkunft vorerst nicht geklärt werden konnte.
Altes Nest der Wehrmacht?
Ob frühere Eigentümer des Grundstücks hier so massive Bauten errichteten oder die Wehrmacht hier eingenistet
hatte, wusste niemand. Das Haus, eine kleine, einst mit Reed gedeckte Villa, wurde jedenfalls abgetragen. Die
Landschaftsbehörde beim Kreis, der heutige Eigentumer (Land NRW) und die Biologische Station Krickenbecker Seen, die
das Gebiet hier betreut, werden nach Absprache entscheiden, was hier geschehen soll. Naturschützern war das Haus schon
immer ein Dorn im Auge. Nach dem Brand des Wohnhauses wurde um die Genehmigung des Wiederaufbaus erbittert gestritten. Doch
lag das Gebäude im Naturschutzgebiet, ein Neuaufbau wurde untersagt. Das Land kaufte das Grundstück im vergangenem
Jahr.
Da sich immer wieder Kinder und Jugendliche hier aufhielten, entschied man sich aus Sichereitsgründen und wegen der
Optik für den Abbruch des Anwesens. Seit zehn Wochen bereits waren die THW-Helfer beschäftigt, Trümmer
abzuräumen. "Wir benötigten allein fünf Stunden, um den Bewuchs wegzubekommen", berichtete der
Führer des technischen Zuges Viersen, Bernd Büttgenbach, am Samstag. Der Abbruch wurde jedoch plötzlich
"zu einer Herausforderung unter Ernstfall-Bedingungen". Der Bagger riss zunächst eine nicht in den
Plänen enthaltene Wasserleitung auf, aus der sich ein Schwall Wasser ergoss. Vorbesitzer hatten sich offensichtlich an
der Trinkwasserversorgung des benachbarten Kreises Kleve angeschlossen.
Wenig später standen Henner Liesegang, Bauingenieur bei der Landschaftsbehörde, Leo Reyrink, Leiter der
Biologischen Station, und Büttgenbach verblüfft vor Beton-Stahl-Fundamenten. "Überall kleine Löcher
in der Erde, kleine Verstecke und Hohlräume", stöhnte Büttgenbach. Grinsend fragte er: "Ob wir
jetzt noch eine Schatzkiste finden?"
Gibt das Land Geld?
Das Geld wird erst einmal wohl beim Eigentümer, dem Land locker gemacht werden müssen. Wahrscheinlich wird man
aber erst einmal prüfen, ob das Fundament und die Bunker überhaupt abgetragen werden müssen: "Das Geld
könnte man im Naturschutz an anderer Stelle besser einsetzten", seufzte Reyrink.
Das Haus wurde zwischen den Weltkriegen von einem ehemaligen Berufssoldaten als landschaftliches Anwesen errichetet und
später mehrmals verkauft.