Das THW wurde beauftragt, für das Bundesministerium des Inneren 8 ItrKw und 7 MKW nach Bosnien zu transportieren.
Die Überführung sollte in 3 Gruppen mit jeweils 5 Fahrzeugen und 6 Helfern erfolgen.
Freitag 22.1.1999
Unsere Gruppe traf sich das erste Mal in Mönchengladbach um beim Landesverband in Heiligenhaus (bei Düsseldorf)
die Fahrzeuge zu übernehmen. Nach einer Einweisung über Verhaltensregeln der Überführung (z.B. keine
Dienstkleidung) wurden die Fahrzeuge übernommen und zur Geschäftsstelle Mönchengladbach gebracht, wo die
letzten Vorbereitungen für die Fahrt getroffen wurden.
Montag 25.1.1999
Es war noch dunkel als wir um 5:15 die Geschäftsstelle Richtung Stuttgart verliessen (diese Strecke war
günstiger, da es hier nicht so viele Baustellen und Staus gab).
Nach 751 Kilometern erreichten wir am Nachmittag Rosenheim und suchten unsere Übernachtungsmöglichkeit auf.
Zum Essen ging es in die Innenstadt, wo es ein gutes Restaurant geben sollte. Leider gab es für 6 Personen nicht
genug freie Sitzplätze, so daß wir uns auf die weitere Suche begeben mußten. Etwas abseits von der
Fußgängerzone fanden wir auch ein Lokal das uns zusagte. Erst als wir nach dem Essen wieder gehen wollten
merkten wir, daß es hier nicht nur warmes Essen sondern auch "warme Männer" gab.
Dienstag 26.1.1999
Die Nacht war gerade vorüber, da machten sich schon wieder 5 Fahrzeuge auf den Weg Richtung Österreich. An der
Grenze konnten wir ohne Zollformalitäten durchfahren. Neben der Autobahn lag Schnee und die Sonne zeigte uns die
schöne Seite von Österreich. Am Grenzübergang nach Slowenien hatten wir ca. 30 Minuten Aufenthalt bis wir
durch den Karawankentunnel weiter Richtung Lubljana fahren konnten. Die Autobahn hinter der Slowenischen Hauptstadt
erwies sich durch die schlechte Fahrbahn als Teststrecke für die Stoßdämpfer. Die letzten Kilometer bis
zur Kroatischen Grenze ging es über eine Landstraße mit vielen Kurven weiter Richtung Rijeka. Endlich an der
Grenze angekommen, mußten wir nur erstaunliche 25 Minuten warten, da ein Helfer (wie auch schon nach Slowenien)
die Zollformalitäten für alle Fahrzeuge abwickelte. Nach einer kurzen "Stadtrundfahrt" durch Rijeka
ging es weiter Richtung Split. Da es inzwischen dunkel geworden war, und wir 541 Kilometer hinter uns hatten, suchten
wir ein Hotel, das eine Parkmöglichkeit für unserer 5 Fahrzeuge bot und geöffnet hatte. Nach
längerem Suchen fanden wir ein Hotel und freuten uns über das Abendessen und etwas Live-Musik.

Fahrzeuge am Grenzübergang nach Slowenien
Mittwoch 27.1.1999
In der Nacht hatte es angefangen zu regnen und es sah so aus, als ob es nicht so schnell aufhören würde. So
fuhren wir weiter die kurvenreiche Küstenstraße über Zadar und Split Richtung Dubrovnik. Nach 453
Kilometern in Makarskar (80 Kilometer südlich von Split) angekommen, war es bereits dunkel, in den Bergen nebelig
und der Regen wurde noch stärker. So fingen wir wieder eine längere Suche nach einem Hotel an.


Country Office Bosnien
Donnerstag 28.1.1999
Die Nacht war sehr windig und hatte die Wolken vertrieben. So starteten wir mit starkem Wind, aber auch Sonnenschein und
einer traumhaften Sicht unsere Weiterfahrt. Die Bergstraße führte uns bis zur Grenze nach Bosnien ins
Landesinnere. Da wir am ersten, und kleineren Grenzübergang nicht über die Grenze fahren durften, mußten
wir ein Stück weiter fahren. Beim zweiten und größeren Grenzübergang konnten wir nach 30 Minuten
Wartezeit in Bosnien einreisen. Nach einer Tagesetappe von 84 Kilometern und 2,5 Stunden erreichten wir unser Ziel: THW
Country Office Bosnien (COB). Nach der Übergabe der Fahrzeuge fuhren wir zu unserem Hotel. Das Zimmer 202 ist nicht
gerade das größte und sollte nur von Personen bezogen werden, die keine Platzangst haben.
Kurz nach uns trafen 3 weitere THW-Helfer aus dem Westerwald ein, die 3 Geländewagen nach Bosnien
überführten. Am Nachmittag wurde uns allen von Werner (ein Mitarbeiter beim THW in Bosnien) Mostar und
Umgebung gezeigt. Bei einem Gang durch die Altstadt führte unser Weg an der 1556 von den Türken errichtet und
1994 durch einen Granatenangriff zerstörten „Alten Brücke“ vorbei. Nicht weit von dieser Brücke gibt es
noch eine kleinere Brücke die angeblich nur zu Testzwecken von den Türken gebaut wurde. In einem kleinen
einheimischen Restaurant begann dann der gemütliche Teil des Abends.

Brücke zur Wasserversorgung des Ostteils von Mostar
Freitag 29.1.1999
Mit 3 Geländewagen ging es in die Berge von Mostar um Projekte vom THW direkt vor Ort zu besichtigen. Teilweise
wurden Wege zu Häusern genutzt, auf denen kein LKW Material transportieren konnte. Auch gibt es jetzt noch
Markierungen in den Bergen, wo vermutlich noch Mienen liegen können. Hier in den Bergen wurde die Wasserversorgung
durch Auffangbecken wieder gesichert.
Über eine teilweise verschneite und vereiste Straße führte unser Weg an die Grenze der "Republika
Srpska". Im Gegensatz zum Moslemischen Teil wachsen hier auf den Bergen Bäume und Büsche, da es nicht vom
Vieh abgefressen wird. Zurück im Tal führte unser Weg zur angeblich größten
Süßwasserquelle Europas. Wieder auf dem Rückweg zum COB hielten wir noch an weiteren
Aufbauprojekten.
Am Abend gab es ein gemütliches Essen, an dem auch Herr Klaus Buchmüller (Leiter des THW in Bosnien) teilnahm.
Samstag 30.1.1999
Um 9:00 ging es mit 2 Fahrzeugen in Richtung Split, wo unsere Flugzeuge nach Deutschland auf uns warteten. An der Grenze
versuchten unsere Fahrer über den kleineren Grenzübergang nach Kroatien zu fahren, aber auch hier mußten
wir wieder umkehren und den anderen Übergang benutzen (wie schon bei der Hinfahrt).
Unser Flugzeug flog um 14:30 Richtung Düsseldorf und die 3 anderen Kameraden flogen um 15:40 nach Frankfurt. Wieder
in Düsseldorf gelandet wurden wir von einem THW-Fahrzeug abgeholt und zurück nach Mönchengladbach
gebracht.
Wir sind uns alle einig, daß wir eine gute Gruppe waren und sofort wieder zusammen reisen würden.
Zum THW in Bosnien:
Seit März 1993 wird vom THW in Mostar und Umgebung praktische Wiederaufbauhilfe geleistet. Dabei werden soziale
Einrichtungen (Schulen, Ambulanzen, Arztpraxen, etc.) sowie Strom- und Wasserversorgung instand gesetzt, Häuser
wieder bewohnbar gemacht bzw. neu aufgebaut und Verbindungswege erstellt.
Bei der Wasserversorgung wurden unter anderem 73 Kilometer Hauptwasserleitungen und Unterverteiler ausgetauscht sowie 2
Rohrbrücken zur Wasserversorgung des Ostteils von Mostar über den Fluß Neretva gebaut (siehe Bild
oben).
Es wurden über 100 Millionen Mark für Wohnraum für 60.000 Menschen ausgegeben. Geldgeber sind unter
anderem die Europäische Union, der Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, die Niederländische
Regierung und natürlich die Bundesrepublik Deutschland.
Hier wird Hilfe zur Selbsthilfe praktiziert, d.h. in mehreren Orten wurden Bauhöfe errichtet, von denen Geräte
und Material zu den Baugebieten gebracht wird. Das Material wird unter Leitung des THW von einheimischen Handwerkern und
Firmen verwendet.
Zur Zeit sind ca. 290 Fahrzeuge vom THW in Bosnien u.a. Kipper, Bagger, LKW's, Anhänger, Mobile Werkstätten,
Geländewagen und alles andere was man zum Wiederaufbau braucht.
Diese Fahrzeuge wurden entweder beim THW aus Altersgründen ausgesondert oder wurden von anderen Organisationen bzw.
Ländern finanziert.
An der Überführung von 5 Fahrzeugen im Zeitraum vom 22.1.1999 bis 30.1.1999 waren folgende Ortsverbände
beteiligt:
| OV Grevenbroich |
1 Helfer |
| OV Mönchengladbach |
1 Helfer |
| OV Neuss |
1 Helfer |
| OV Übach-Palenberg |
2 Helfer |
| OV Viersen/Tönisvorst |
1 Helfer |